Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 1 in C-Dur

Diese Saison dürfen wir Ludwig van Beethovens erstes sinfonisches Werk angehen: Die große Sinfonie Nr. 1 in C-Dur. 

Als Beethoven begann, seine erste Sinfonie auszuarbeiten, war das Orchester kein Neuland mehr für ihn. Neu allerdings war für ihn das Erschaffen einer Sinfonie, jener Großform, die durch Haydn und Mozart in vielfacher Weise vorgeprägt war. Lange zögerte er mit der Niederschrift eines sinfonischen Werkes und als es dann zur Uraufführung am 2. April 1800 kam, verwirrte das Werk durch seine extreme Neuartigkeit und manche Kritiken gingen so weit, es als „zügellose Explosion“ zu bezeichnen. 

Das Hauptthema, welches nach einer ungewöhnlichen Adagio-Einleitung mit Dissonanzen und ihrer Auflösung im Allegro con brio erklingt, ist geprägt von rhythmischer Energie und besonderer Hartnäckigkeit. Das lyrische Seitenthema hingegen setzt zart mit der Oboe im piano ein und wird von der Flöte abgelöst. Mit einer Coda von 39 Takten Umfang verleiht Beethoven dem Kopfsatz der Sinfonie einen überzeugenden Abschluss. 

Auf den strahlend-optimistisch schließenden ersten Satz folgt in starken Kontrast ein Andante cantabile con moto. Eine liebliche Melodie der zweiten Violinen im pp kündigt das erste Thema an, das sich zart und leicht ohne jegliches Bassfundament entwickelt. Der Satz läuft ebenso zart aus, wie er begann. 

Mit Menuetto ist der dritte Satz überschrieben, doch ein Menuett in diesem raschen Tempo ist kein Menuett mehr. Hier handelt es sich eher um ein Scherzo, denn abgesehen vom Tempo sprengen auch die vorwärtstreibende und stürmische Melodik und Rhythmik die im allgemeinen üblichen Grenzen des klassischen Menuetts. 

Das Bläser-Trio steht ihm Gegensatz zum Menuett-Hauptteil: Legte letzterer eher Wert auf Dynamik und Energie, so kann man das Trio als statisch bezeichnen. Neunmal wird der C-Dur Akkord wiederholt, ehe die Violinen eine fließende melodische Linie aufnehmen und in die anschließende Wiederholung des Menuett-Hauptteils überleiten. Beethoven wird auch künftig nicht mit der Tradition brechen, dass zu einer Sinfonie ein beschwingter Satz in tänzerischem Dreierrhythmus gehört, allerdings bringt er immer neue Beispiele dafür, dass er sich als Komponist nicht von den Konventionen eines bestimmten Satztypus leiten lässt. 

Beethovens Zeitgenossen sollen den Anfang des vierten, finalen Satzes höchst lächerlich gefunden haben. Dem einleitenden pompösen Orchesterschlag folgt nicht etwa das spritzige Hauptthema, vielmehr scheint der Komponist nach einem solchen zögerlich zu suchen, um sich danach kopfüber ins Allegro molto e vivace und sein beschwingtes, fröhliches, gewissermaßen hüpfendes Hauptthema zu stürzen. 

So stürzen wir uns nun kopfüber in die Arbeit an Beethovens großer erster Sinfonie und lassen uns vom Witz und der Dramaturgie ihres Komponisten überzeugen! 

 

von Lena Mackel