Unser Jubiläumskonzert 2018

Strahlend, aber mit einem mulmigen Gefühl im Bauch betraten wir am Samstagabend um 20 Uhr die Bühne der Hamburger Laeizhalle. Wieder war ein Jahr voller Proben, Konzerte, Musik und einer großen Konzertreise durch die USA vergangen und das jährliche Jahresabschlusskonzert stand an, doch dieses Jahr war etwas anders: Unser Abschlusskonzert stand unter dem Motto „50 Jahre Jugend-Sinfonieorchester Ahrensburg“. Ein wahrer Grund zum Feiern, der uns dazu veranlasst hatte, so viele Ehemaligen aus 50 Jahren JSOA wie möglich einzuladen und gemeinsam ein Jubiläumskonzert zu spielen. Doch dieser Abend sollte auch noch aus einem anderen Grund in Erinnerung bleiben: Es würde das letzte Laeiszhallenkonzert mit unserem treuen Orchesterleiter Michael Klaue werden. Um es zu einem erinnerungswürdigen Abend zu machen, hatten wir nicht nur für das entsprechende Publikum gesorgt, sondern auch für ein abwechslungsreiches Programm und ein ganz besonders aufgestelltes Orchester.
Ein voller Bläsersatz eröffnete unser Jubiläumskonzert mit den ersten Akkorden von Felix Mendelssohn-Bartholdys Ouvertüre zu „Ruy Blas“, op. 95, der wir an diesem Abend versuchten, gerecht zu werden. Zwischen effektvoller Theatralik und lyrischen Melodien in den Geigen und Flöten schleichen sich immer wieder chromatisch abwärts führende Linien in den Streichern und gestoßene Akkorde im Bläsersatz, die rhythmisch gegeneinandergesetzt sind. Gegen Ende der Ouvertüre präsentierten wir noch einmal unseren gesamten Instrumentalsatz und im lautstarkten C-Dur ging das erste Stück des Abends unter mehrfachen Anläufen zu Ende.


„Budapest, Helsinki, Shanghai, Chicago...“ Eine Liste unzähliger Städte eröffnete die Rede unseres Orchesterleiters Michael Klaue, welche nicht nur an sein treues Laeiszhallen-Publikum, sondern auch besonders an uns, die derzeitigen und die ehemaligen Mitglieder des Jugend-Sinfonieorchesters Ahrensburg, gerichtet war. Eine ganze Weile lauschten wir der Aufzählung mancher weniger bekannter Städte, aber auch großer europäischer und internationaler Metropolen, die wir als Orchester im Laufe der letzten 50 Jahre besucht hatten. Immer wieder drehte Herr Klaue sich zu seinem Orchester um und lächelte Einzelne verschmitzt an, als erinnere er sich genau an all’ die Geschichten, die er im Laufe der 25 Jahre mit jedem Einzelnen von uns erlebt hatte.
Ein halbes Jahr lang hatten einige Orchestermitglieder an diesem Zusammenkommen von aktuellen Mitgliedern und Ehemaligen des JSOAs gearbeitet und nun war es soweit: 120 Musikerinnen und Musiker saßen gemeinsam auf der Bühne der Hamburger Laeiszhalle. Schüler, Studenten, Profimusiker, Musikpädagogen, Menschen aller Altersklassen, die eins verbindet: sie alle waren bzw. sind Teil des traditionsreichen Jugend-Sinfonieorchesters Ahrensburg und teilen die Liebe zur Musik. In der Generalprobe einige Stunden zuvor hatte man sich kennengelernt, alte Bekannte hatten sich wieder in die Arme geschlossen und nun durften wir gemeinsam eines der bewegensten musikalischen Werke der Geschichte, die sinfonische Dichtung „Finlandia“, op. 26 von Jean Sibelius, zu Gehör bringen. Nicht wenige von uns, die 2014 bei der Konzertreise nach Helsinki dabei gewesen waren, dachten an diesem Abend mit Gänsehaut, den Klängen der berühmten volkstümlichen Melodie in Bläsern und Streichern lauschend, an diese Reise zurück.
Als die letzten Akkorde der heroisch anmutenden Coda der sinfonischen Dichtung verklungen waren, holte tosender Applaus das erschöpfte Orchester in die Realität zurück. Überglücklich genossen wir das begeisterte Publikum, unter dem auch noch weitere Ehemalige des Orchesters jubelten.
Nach einer Pause, in der viele bekannte Überraschungsgäste unter den 1142 Besuchern entdeckt und begrüßt worden waren, hatten wir einen ganz besonderen Gast auf der Bühne: James Bond höchstpersönlich. Agent 007 wurde von uns in Form eines von Victor Lopez arrangierten „James Bond Medleys“ musikalisch zum Leben erweckt.
Folgend begaben wir uns vom verschneiten Hamburg in die Karibik mit dem Soundtrack zu dem Piratenabenteuer „Fluch der Karibik“ aus Klaus Badelts und Hans Zimmers Feder.
Teils belustigt, teils etwas unsicher richteten einige Mitglieder des Orchesters kurz vor Beginn der „Selections from The Phantom of The Opera“ ihre Blicke an die Decke der Laeiszhalle um noch einmal zu kontrollieren, ob dort nicht doch plötzlich ein bedrohlicher Kronenleuchter hing, der mit dem dramatischen Tremolo zu Beginn der Musik noch ganz á la Hollywood von der Decke auf die Bühne stürzen könnte. Doch Andrew Lloyd Webbers Musik zu der Geschichte des Wesens, dessen Gesicht von einer Maske bedeckt ist, konnte vom Publikum ganz ohne Zwischenfälle genossen werden und so durften unsere Gäste an diesem Abend unter anderem den berühmten Melodien von „Think of Me“, interpretiert vom brillierenden Klang unserer Flöte oder der Violine mit „All I Ask of You“ lauschen.
In der von Robert W. Smith arrangierten „Suite from the Star War Epic – Part I“ duellierten sich in den drei aufeinanderfolgenden Sätzen die Mächte in einem großen Finale zwischen Gut und Böse. Im zweiten Satz hob sich das berühmte lyrische Liebesthema von Anakin Skywalker und Padmé Admidala mit der Oboe über die Szenerie bevor es übermannt wurde von der musikalischen Vorahnung des bösen Darth Vaders. Düster und kämpferisch beendeten wir unser offizielles Programm an diesem Abend mit der berühmten Raumschlacht von Corouscant im dritten Satz der Suite.


Doch der Abend sollte damit noch nicht vorbei sein, wie unser Orchesterleiter immer zu sagen pflegt: „Einen haben wir noch!“ Mit der „Navarraise“ aus dem zweiten Akt der Oper „Le cid“ des französischen Komponisten Jules Massenet bereiteten wir dem Jubiläumsabend ein furioses Ende, indem wir den spanischen Helden der Oper mit tänzerischen, gesprungenen Rhythmen, akzentuierten Holzbläsern und Kastagnetten musikalisch zum Leben erweckten.
Wir sagen „Dankeschön“ an jeden, der an diesem großartigen Jubiläumskonzert mitgewirkt hat, ob organisatorisch oder musikalisch und vor allem danken wir Michael Klaue für 25 Jahre großartige Arbeit, der uns auf unserem musikalischen Weg begleitet uns von klein auf geprägt hat!

 

von Lena Mackel